Liebe Patientinnen und Patienten,
ein Zeitungsartikel im Lokalteil Ettlingen der BNN hat in den letzten Tagen für Unruhe gesorgt. Auch wenn man ihm eigentlich nicht mehr Aufmerksamkeit widmen sollte als er es wert ist, möchte ich hier trotzdem ein paar Dinge klarstellen. Denn durch den Artikel sind Eindrücke entstanden, die ich so nicht stehen lassen kann und werde.
Zuerst einmal möchte ich ganz deutlich machen, dass ich natürlich weiterhin auch Patientinnen und Patienten in der normalen Regelversorgung behandle. Akutfälle und Notfälle werden darüber hinaus selbstverständlich, unabhängig von jedem Versicherungsstatus, immer versorgt. Niemand muss einen Vertrag zur hausarztzentrierten Versorgung unterschreiben, nur um in meiner Praxis behandelt zu werden. Die Teilnahme an der HzV ist und bleibt freiwillig.
Der latente Vorwurf, und nichts anderes ist die als Frage formulierte Überschrift, ich würde Menschen in die HzV drängen, weil ich sie sonst nicht behandle, trifft nicht zu. Im Gegenteil: Ich spreche mit jeder Patientin und jedem Patienten ganz offen, ob die HzV zur jeweiligen Lebenssituation passt, erkläre Vor- und Nachteile und rate in manchen Fällen sogar aktiv davon ab, wenn ich merke, dass das Modell nicht passt.
Dass ich die HzV grundsätzlich so stark befürworte, hat den einfachen Grund, dass sie uns in vielen Fällen eine bessere Koordination und kontinuierlichere Betreuung ermöglicht, wodurch ich Sie langfristig so begleiten und behandeln kann, wie meine Kollegin und ich es medizinisch für richtig halten und es sinnvoll ist. Das fällt uns im stark reglementierten KV-System häufig nicht so leicht.
Dort gibt es neben der ohnehin hohen Arbeitsbelastung ein kompliziertes Netz aus Vorgaben, Prüfungen und Steuerungen, die eine verlässliche Versorgung im Alltag häufig erschweren. Auch wenn seit dem 1. Oktober ein Teil der Budgetgrenzen im hausärztlichen Bereich weggefallen ist, bleiben doch noch viele Regeln und Einschränkungen, die in bestimmten Konstellationen so starken Druck erzeugen können, dass sie mich und meine Kollegin nicht selten in moralisch schwierige Situationen bringen.
Zusätzlich bringen die ab 2026 geltenden neuen Regelungen, die eigentlich die hausärztliche Medizin stabilisieren sollten, für HzV-Praxen wie unsere leider eine weitere finanzielle Belastung mit sich. Das war vermutlich nicht so geplant, wurde aber bisher auch nicht geändert.
Deshalb werde ich in naher Zukunft unsere bisherigen Kassenarztsitze deutlich reduzieren, um die Praxis langfristig stabil zu halten. Für bestehende Patienten ändert sich erst mal absehbar nichts und für HzV-Patienten sowieso nicht, da für die HzV-Planung die Kassenarztsitze nur eine untergeordnete Rolle spielen. Aktuell betrifft es vor allem die Aufnahme neuer Patientinnen und Patienten und nichts anderes wurde in dem Schreiben, das die BNN beanstandet hat, thematisiert.
Im BNN-Artikel wird auch die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg mit der Einschätzung zitiert, es handele sich um eine „Grauzone“ und wir seien kein Einzelfall. Für mich zeigt das vor allem, dass die jetzigen gesetzlichen und finanziellen Rahmenbedingungen, auch wenn es vermutlich nicht beabsichtigt ist, uns Hausärzte in schwierige Konflikte bringen können und einfache, klare, praxistaugliche Leitplanken fehlen, wie wir gleichzeitig alle Patientinnen und Patienten gut betreuen, die wachsende Nachfrage auffangen und trotzdem wirtschaftlich arbeiten können.
Ich versuche in dieser unsicheren Lage so fair wie möglich zu handeln, für alle meine Patientinnen und Patienten, egal ob mit oder ohne HzV.
Natürlich würde ich mich freuen, wenn möglichst viele Patientinnen und Patienten die HzV wählen, einfach weil mir genau das die Planungssicherheit und Stabilität gibt, die ich brauche und die ich augenblicklich im KV-System nur sehr bedingt finden kann.
Das heißt aber nicht automatisch im Umkehrschluss, dass ich die Behandlung zwingend davon abhängig mache, ob jemand einen HzV-Vertrag unterschreibt oder nicht.
Leider erweckt die zugespitzte Überschrift genau diesen Eindruck, auch wenn sie formal nur als Frage formuliert ist.
Ich nehme den Vorfall sehr ernst und nutze ihn als Anlass, unsere Abläufe und die Art, wie wir über die HzV sprechen, zu verbessern.
Generell ist es weder moralisch vertretbar noch professionell klug, Patientinnen und Patienten unter Druck zu setzen. Das würde das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient beschädigen und genau dieses Vertrauen ist die Basis unserer hausärztlichen Tätigkeit.
Sollten Sie dennoch das Gefühl haben, dass es so war, sprechen Sie mich bitte persönlich an oder schreiben Sie mir eine Nachricht. Wenn Sie anonym bleiben möchten, können Sie auch unser anonymes Beschwerdepostfach unten in der Fußzeile nutzen.
Herzliche Grüße
Dr. med. Oliver Marx
PS: Unsere Mitarbeiterinnen sind hochqualifizierte Medizinische Fachangestellte mit Zusatzausbildungen – keine „Sprechstundenhilfen"

